Mittwoch, 24. September 2014

28 Augusto

Es ist verrueckt hier, gerade hat eine aeltere Dame mir, mich belaechelnd, den Weg zum richtigen Bus gezeigt da sie merkte, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Sie wartete mit mir auf den Bus und da sie in der Naehe von Arterias Urbanas wohnt, meinte sie, ich koenne gerne zum Mittagessen vorbeikommen und dass ihr Sohn an meinem Zeichenkurs teilnehmen werde. Sie will auch in naechster Zeit vorbeikommen und ein Portrait von sich malen lassen. Generell sind die Leute hier irgendwie wie eine Familie und schenken einem gerne ihr Ohr, ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit (eine Klimax) ohne etwas dafuer zu erwarten zu scheinen.
Bei Arterias verbringe ich viel Zeit, da zusammen Kunstprojekte geplant werden und  zusammen gegessen, gelacht, getrunken wird. Stress oder Zeitdruck scheinen Fremdwoerter zu sein.
Romina ist eine interessante Nomadin in deren Curso di titere (ein Puppenspielkurs, bei dem die Kinder sich ihren Charakter selber ausdenken und dann  auch die Puppen selber basteln - um am sich am Ende ein Theaterstueck auszudenken, was vor ihren Eltern vorgefuert wird) wir eingebunden sein werden.
Sie und Kathi machen manchmal Yogauebungen, Juan faengt an zu Trommeln und Felix spielt Gitarre, Victor jongliert mit Macheten und eine andere Gruppe turnt komisch aufeinander rum (keine Ahnung wie der Sport heisst). Unsere Mentoren David und Milton zeigen uns gerne ihre Videos, eine Seite namens ArtTrenta, die die Kunst Santa Cruzes verbreitet.
Anstatt wie gedacht unter mittellosen Kuenstler und Strassenkindern (was es natuerlich auch beides gibt) zu arbeiten, scheine ich in eine ziemlich alternative und aktuelle Szene geraten zu sein. Gestern waren wir im groessten Theater Santa Cruzes zu dessen 10-Jaehrugem Bestehen - soweit ich verstanden habe. Es wurde Orthello aufgefuehrt und anhand der gut gekleideten Leute fuehlte ich mcih zum ersten Mal wieder so, als sei ich in Europa. Wir hatten sogar Einladungen und gute Plaetze. Obwohl ich nur ungefaehr drei Dialoge verstand (das auch nur weil ich zufaellig letzte Wochen die ersten paar Seiten jenes Dramas las), empfand ich es als durchaus gelungene Vorstellung. Der Applaus liess darauf schliessen, dass es nciht nur mir so ging. Im Anschluss wurden wir direkt zu den Schauspielern gefuehrt mit denen wir dann auch noch etwas Trinken gingen. Nicht mehr auf der Buehne waren sie keineswegs mehr die unantastbaren Gestalten und schienen neben dem quicklebendigem Haufen von Arterias sogar etwas ruhig. Wir suchten wieder die von Auslaendern wimmelnde Raeggebar Maratulde auf und mein Abend endete mit der tollen Idee im Pool meines Onkels schwimmen zu gehen. Angekommen fiel mir aber ein, dass ich tags zuvor ein totes Huhn aus jenem fischte und warte lieber doch noch bis zur Reinigung.

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