Sonntag, 24. August 2014

24 Augusto

Es windet sehr und irgendwie faellt hier alles auseinander. Das obwohl seit ueber einer Woche keine Wolke mehr am Himmel zu sehen war. Der Laptop wird mir gerade fast aus der Hand geweht.  Otto ist jetzt fuer einen Monat nach Deutschland gefahren. Dafuer durfte ich die Haehne auch mal aufwecken. Um 7 Uhr morgens habe ich ein paar Runden im Pool gedreht und dann Eier fuer mein Fruehstueck gesucht. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich im Blumenbeet vorm Fenster fuendig wurde. Die Henne dankte es mir nicht und ich befuerchtete, eventuell ein kleines Kueken in einem der Eier zu finden, aber gluecklicherweise waren sie noch frisch und schmandig. Habe mich dazu entschlossen, mir ein leeres Zimmer in einem Anbau an das Haus einzurichten, vielleicht auch als Lederwerkstatt. Gleich gehts auf den Textilmarktund heute Abend werde ich ein bolivianisches Familienfest der Mutter meiner Gastmutter erleben duerfen von denen ich schon so viel gehoert habe.

23 Augusto

Bin fuers Wochenende wieder zu Otto. Diesmal bin ich voller Kuhscheisse anch hause gekommen, da wir in Narahio Kuehe mithilfe eines Anhaengers zu Sergio, einem Restaurantbesitzer mit paradiesischer Gartenanlage verfrachtet haben. Dazu mussten die Kuehe mithilfe eines Lassos eingefangen werden und unter Anwendung von Ziehen, Schieben, Stock- und Peitschenhieben so wie Wasserbespritzung in den Anhaenger getrieben werden. In ihrer Panik leerten sie ihren Darm aus und ein Stier fiel tatsaechlich in seine Faekalien. Leider stand ich mit dem Seil in der Hnad genau daneben, aber mein Gesicht blieb verschon. In dem engen Gehege hatte ich permanent Angst von panischen Kuehen ueberrant oder aufgespiesst zu werden, aber anscheinend schuechterte meine Aura sie ein. Oder die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Kuehe sind wirklich dumme Tiere, aber gehorsam und ungefaehrlich, kein bisschen boeswillig. Auf dem Weg zurueck in die Stadt sahen wir einen kleinen Jungen mit siener noch kleineren Schwester auf enem Pferd reiten. Otto erklaerte mir, dass dieser siene Schwester jeden Tag von der Schule abholt. Der Arbeitseinsatz war hart und kraeftezehrend, aber das Leben als Landwirt hat auch sienen Charme. Ich fuehle mich sehr wohl sowohl auf dem Land als auch in der Stadt und bin froh hier Familie zu haben, die mich gut aufnimmt. Gleich haben wir eine Reunion mit den anderen Frewilligen, aber erstens spielt es hier in Bolivien kaum eine Rolle und zweitens habe ich nciht Lust auf meine Mitfrewiligen, zumal wir gestern die ehemaligen kennenlernten und es sich um eine wesentlich spannendere Truppe handelt. Mit ihnen war ich gestern auch noch trinken und habe nuetzliche Tips, Ratschlaege und vorallem Alkohol bekommen. Niemand von ihnen will Bolivien wirklich verlassen und sie beneiden uns auch ein wenig um das bevorstehende Jahr. Ein Lichtblick am lichten Horizont...

Wir wurden gerade ueber bolivienspezifische Krankheiten belehrt. Neben Gehirnparasiten gibt es hier auch Mehlffloehe, die sich unter der Haut verbreiten un Tollwut soll auch nciht selten sein. Zudem uebertragen Kaefer auch einige nicht heilbare Krankheiten. Ich bin etwas beunruhigt und werde mir heute noch praeventives Antiparasitario kaufen. 

22 Augusto


Ein paar festgehaltene Eindruecke: Der Griff ins Leere - Anschnallgurte gibt es hier wenige. Die Busfahrer machen hier alles gleichzeitig, Coca kauen, sms schreiben, Geld kassieren undfahren gleichzeitig. Effizient, aber etwas beunruhigend. Habe auch etwas Coca gekauft, hab nichts gespuert ausser einen Geschmack nach Stall im Mund. Soll aber wirklich amphetaminaehnliche Stoffe freisetzen.
Trotz der Tatsache, dass es hier kaum Ampeln gibt, habe ich erstaunlicherweise noch keinen Unfall gesehen. Habe mich an vieles gewoehtn, ob es ein Junge ist, der einen Autoreifen durerch die Mittagssonenne schiebt, 13 Jaehrige die mit der Backe voll Coca auf dem Bau arbeiten oder Muetter die mit 3 Kindern von Morgens bis Abends unhygienisches Essen verkaufen und auch selber essen und in Schlupfwinkeln der Strasse schlafen. Weggucken kann ich jedoch nicht.


21 Augusto

21 Augusto
Habe den eltzten Bus nach Hause bekommen. Nach 10 uhr faehrt hier ncihts mehr. Es ruettelt. Beim Warten habe ich beim Haueten von Schweinen zugeguckt, sowas passiert hier direkt neben der Strasse. Davor waren wir bei einer Familie zum Essen eingeladen. Da ein PAstor dabei war, war es am Anfang ein sehr kathlisches, schweigsames und etwas drueckendes Essen, sobald jedoch der Alkohol ins Spiel kam (wieder selbstgemacht, diesmal aus Pomelo) wurde die Stimmung lockerer und recht heiter. Familie spielt hier eine grosse Rolle und Familienessen mit geladenen Gaesten sind hier Gang und gebe.

Freitag, 22. August 2014

20 Augusto



Ich bin soeben einigermassen angetrunken von einer Reggaeparty nch hause gekommen und habe eigentlich beschlossen Cheling bei mir schlafen zu lassen. Er beiss mich gerade aber in den Arm und versucht auch meinen Achselschweiss zu schlecken, dswegen schmiess ich ihn gleich raus. Huete habe ichfast den ganzen Tag in Arterias Urbanas verbracht und wollte garnicht weg. Dieser Ort ist einfach jetzt schon wie ein zweites zu Hause. Viel mit Kindern und Kinder gezeichnet, sie haben sich sehr gefreut. Als Sam und ich spaeter Fussball spielten, schoss Sam den Ball ueber eine Mauer woraufhin 40 Bolivianische Jugendliche sauer auf uns waren. Ich ueberliess ihnen unseren Alkohol und wir gingen weg bevor sie uns etwas zu Leide taten. Erster Sonnenbrand, da die Sonne nur scheint. Viele Mosquitostiche und jetzt Katzenbisse.

19 Augusto



Neben dem Gekko, den ich mittlerweile Zimmergenosse nennen darf, habe ich heute morgen auch eine Ameisenstrasse entdeckt, die durch mein Zimmer fuehrt.
Mein Wilkommensessen am Sonntag endete mit einem um halb 6 nachmittags ins Bett gehendem Leon und wenig Erinnerungen. Ich habe nun saemtliche Teile eines Schafes probiert, weiss allerding nicht mehr genau, welcher Teil wie schmeckte.
Die letzten Tage habe ich viel mit Veronika und Marvin im Projekt verbracht und gezeichnet, wir haben noch keine richtige Aufgabe und sollen uns erstmal eingewoehnen. Durch die Kontakte zum Projekt haben sich uns diverse Leute unterschiedlicher Nationalitaeten vorgestellt, die allesamt interessanten kuenstlerischen Taetigkeiten von jonglieren(mit Messern) bis Taetowieren oder auf dem Trapez herumtollen reichen und eine freie Lebenseinstellung haben. Arterias Urbanas scheint auch eine Anlaufstelle fuer reisende Kunstinteressierte zu sein und es handelt sich um einen kuenstlerischen Austauschpunkt. Ich habe ein gutes Gefuehl was das Jahr angeht.
Irgendwie scheint Zeit hier eine untergeordnete Rolle zu spielen. Es wird nciht viel darueber geredet (oder ich versteh es nicht) und macht das Leben langsamer, in meinen Augen angenehmer. Die Leute hier hadern nicht viel und scheinen sorgloser, wobei sie nach deutscher Ansicht wesentlich mehr Sorgen haben sollten. Vielleicht macht es die viele Sonne.
Nachdem ich mir den Schluessel fuer das Haus meines Onkels abgeholt habe, der fuer einen Monat nach Deutschland reist und dessen Huehner ich fuettern soll (es gibt 19 kleine Kueklein heute frisch geschluepft)  wussten Marivn und ich zu einem Zeitpunkt nicht wo wir waren, wie wir weiterfahren  oder wohin wir ueberhaupt gehen sollten. Aber hier ist sowas egal und ein unglaublich angenehmes Gefuehl. In Deutschland hatte ich haeufiger den Drang, Sachen tun zu muessen oder produktiv zu sein. Dies wird hier durch auessere Einfluesse unterdrueckt und fuehr dazu, dass man sich Ganz auf das, was mach macht einlasen kann ohne mit den Gedanken woanders zu sein. Ob es die Kunst ist, das Essenmachen oder ieinfach nur Laufen.
Wir haben im Restaurant 4 Deutsche Freiwillige kennengelernt,  sie waren dort um zu bloggen. Sie sassen alle 4 voneinander abgewandt an ihren Laptops und ich denke wieder darueber nach, doch keinen Blogg hochzuladen, irgendwie war das typisch deutsch-anonym. Eine von ihnen werde ich in ihrer Tierauffangstation besuchen und Che Ling (so heisst der Kater) impfen lassen, gegen Wuermer, da ich mich nicht infizieren will. Che Ling wartet jeden morgen auf sein Katzenfutter, das ich fuer ihn gekauft habe.
Der Input ist noch immer ueberfordernd, Spanisch sprechen laeuft immer noch nicht so gut, der Wortschatz erweitert sich aber stetig.

17 Augusto



Wieder bin ich durch Ottos Haehne aufgewacht. Der Blick auf die Bananenpalmen und den bluehenden Garten sowie das tuerkise Wasser des Pools macht es halb so schlimm. Durch die riesige Fensterwand fuehle ich mich fast so, als lebe ich in einem Garten. Von draussen dringt das Geplaerr einer Vielzahl von Voegeln und auch das Hundegebell der hier ueberall auf der Strasse lebenden Koetern.  Mein ganzer Koerper schmerzt, da Otto seine Schulter verletzt hat und die koerperliche Arbeit an mir haengen gebliben ist. Erste Erscheinungen der Umstellung des Magens bezueglich des fleischreichen und anderen Essens sind soeben eingetreten. Ich gehe nicht naeher darauf ein und setze mir einen Coca de Mate-Tee aus dem Garten auf, das soll helfen.

16 Augusto (abends)




Immernoch samstags... kurz ein paar Impressionen des Abends: Unglaubliches 2tes Abendbrot. Ein riesiger Essensmarkt, das Fleisch ist schwarz vor Fliegen. Herz des Schafes, habe mich ueberwunden und auch Eier probiert. Dannach Salat mit Orangenschnaps. 32 Liter Schnaps produziert, hat noch 48%. Schon wieder ein Feuerwerk abends und schon wieder um 10 ins Bett weil so fertig. Schon wieder zwei Bier getrunken. Dabei wollte ich doch hier nichts trinken. Das Lamm haengt mitten im Wohnzimmer, makaberer Anblick.

16 Augusto




Gerade rieche ich nach Schaf, da noch etwas Schafsblut an meinem Unterhemd klebt. Vielleicht ist es auch Dickdarmfluessigkeit, es ist jedenfalls ein Fleck von undefinierbaresm gelb. Das Anwesen von Otto (Es traegt den namen Villa Oma und ist schwarz-rot-gold gestrichen) liegt 23 Kilometer westlich von hier, ein 23 Hektar grossen Stueck Land auf dem der Bauer Jose seine Familie versorgt und sich nebenbei um Ottos 11 (jetzt nurnoch 10) Schafe und 17 Kuehe kuemmert. Nach einem Glas frischer Kuhmilch folgte erstmal eine kleinen Treibjagd auf die durchaus scheuen Schafe und wir konnten drei einjaehrige Hammel fangen, von denen zwei noch nicht kastrierbar waren, der dritte aber apfelgrosse „huebos“ hatte. Jenen beschloss Otto aber zu schlachten. Vor Beginn dieses Prozesses fuehlte ich mich etwas unwohl, da ich noch nie wirklich den Tod eines groesseren Saeugetieres miterlebt habe. Im Nachhinein war es faszinierend und ein sehr natuerlicher Prozess, den ich miterleben durfte. Die Zuckungen der Muskeln haben auch noch eine gute halbe Stunde angehalten. Die Befuerchtung, Vegetarier zu werden hat sich nun endgueltig aus meinen Gedanken verfluechtigt. Nach dem Haeuten und Ausnehmen  ist mir dann auch klar geworden, dass auch meine Gedaerme irgenwie nur in mir rumliegen und ziemlich klar voneinander getrennt sind. Vielleicht ist das Medizinstudium garnicht so unattraktiv wie ich immer dachte. Tino haette es sicherlich gefallen. Das ganze fand draussen auf provisorisch errichtetem Holzgeruest statt und die endlos vielen Fliegen und das fehlende Wasser liessen den Ablauf nicht sonderlich hygenisch werden. Dennoch verlief  der Wandel des bloekenden und ueber einen Meter hoch springenden, zudem  durchaus aesthetischen hammels in dieses nun nicht ganz so aesthetische stueck Fleisch innerhalb nur so kurzer zeit, dass es hart ist, sich klarzumachen, wie schnell das Leben vorbei sein kann.
Als naechstes fuhren wir zum Nachbarn, wobei mein Onkel seinen kleinen Trecker fuhr und ich nebenher lief und die die Grundstuecke in Compartements einzaeunenden Tore oeffnete um dort angekommen 300 Orangengrosse Zitronen zu ernten. Otto presst sie gerade, pro Zitrone sind das 80ml Saft, die dann Zusammen mit 32 Liter 96% Alkohol zu Zitronenlikoer verarbeitet werden (den gleichen Alkohol haben wir bei Lucie Silvester getrunken) . Otto hat ihn bescheiden Caipirotto gennant. Der Bauer, dem die Zitronen gehoeren, bekommt  fuer seine Zitronen 2 Flaschen des Schnappses. Ein guter Deal also.
Auf dem Rueckweg haben wir dann eine Haelfte des Schafes an einen Freund fuer 130 Bolivianos ( umgerechnet 14 Euro) verkauft und sind zu einem Bolivianer gefahren, der in seinem Haus Krokodil und Schlangenleder verarbeitet. Don Simon sollte ich ihn nennen, da man Maenner meist mit Don anspricht. Don Leon in meinem Fall also, aber bis jetzt wurde ich eher als Leoncito bezeichnet, die Verniedlichungs- und Verkleinerungsform – ein Versehen?
Jedenfalls versteht dieser es ausserordentlich gut Leder sachgerecht zu verarbeiten und sobald ich etwas Spanisch kann, werde ich bei ihm in die Lehre gehen und hoffentlich Meister der Lederverarbeitung werden. Der Hodensack des Hammels ist perfekt geformt fuer eine nahtfreie Geldboerse, die mein erstes Projekt sein wird. Gerade trocknet er auf der Waescheleine.
Jetzt fahren wir wieder in die Stadt und mal sehen was der Tag noch so bringt.