Freitag, 22. August 2014

16 Augusto




Gerade rieche ich nach Schaf, da noch etwas Schafsblut an meinem Unterhemd klebt. Vielleicht ist es auch Dickdarmfluessigkeit, es ist jedenfalls ein Fleck von undefinierbaresm gelb. Das Anwesen von Otto (Es traegt den namen Villa Oma und ist schwarz-rot-gold gestrichen) liegt 23 Kilometer westlich von hier, ein 23 Hektar grossen Stueck Land auf dem der Bauer Jose seine Familie versorgt und sich nebenbei um Ottos 11 (jetzt nurnoch 10) Schafe und 17 Kuehe kuemmert. Nach einem Glas frischer Kuhmilch folgte erstmal eine kleinen Treibjagd auf die durchaus scheuen Schafe und wir konnten drei einjaehrige Hammel fangen, von denen zwei noch nicht kastrierbar waren, der dritte aber apfelgrosse „huebos“ hatte. Jenen beschloss Otto aber zu schlachten. Vor Beginn dieses Prozesses fuehlte ich mich etwas unwohl, da ich noch nie wirklich den Tod eines groesseren Saeugetieres miterlebt habe. Im Nachhinein war es faszinierend und ein sehr natuerlicher Prozess, den ich miterleben durfte. Die Zuckungen der Muskeln haben auch noch eine gute halbe Stunde angehalten. Die Befuerchtung, Vegetarier zu werden hat sich nun endgueltig aus meinen Gedanken verfluechtigt. Nach dem Haeuten und Ausnehmen  ist mir dann auch klar geworden, dass auch meine Gedaerme irgenwie nur in mir rumliegen und ziemlich klar voneinander getrennt sind. Vielleicht ist das Medizinstudium garnicht so unattraktiv wie ich immer dachte. Tino haette es sicherlich gefallen. Das ganze fand draussen auf provisorisch errichtetem Holzgeruest statt und die endlos vielen Fliegen und das fehlende Wasser liessen den Ablauf nicht sonderlich hygenisch werden. Dennoch verlief  der Wandel des bloekenden und ueber einen Meter hoch springenden, zudem  durchaus aesthetischen hammels in dieses nun nicht ganz so aesthetische stueck Fleisch innerhalb nur so kurzer zeit, dass es hart ist, sich klarzumachen, wie schnell das Leben vorbei sein kann.
Als naechstes fuhren wir zum Nachbarn, wobei mein Onkel seinen kleinen Trecker fuhr und ich nebenher lief und die die Grundstuecke in Compartements einzaeunenden Tore oeffnete um dort angekommen 300 Orangengrosse Zitronen zu ernten. Otto presst sie gerade, pro Zitrone sind das 80ml Saft, die dann Zusammen mit 32 Liter 96% Alkohol zu Zitronenlikoer verarbeitet werden (den gleichen Alkohol haben wir bei Lucie Silvester getrunken) . Otto hat ihn bescheiden Caipirotto gennant. Der Bauer, dem die Zitronen gehoeren, bekommt  fuer seine Zitronen 2 Flaschen des Schnappses. Ein guter Deal also.
Auf dem Rueckweg haben wir dann eine Haelfte des Schafes an einen Freund fuer 130 Bolivianos ( umgerechnet 14 Euro) verkauft und sind zu einem Bolivianer gefahren, der in seinem Haus Krokodil und Schlangenleder verarbeitet. Don Simon sollte ich ihn nennen, da man Maenner meist mit Don anspricht. Don Leon in meinem Fall also, aber bis jetzt wurde ich eher als Leoncito bezeichnet, die Verniedlichungs- und Verkleinerungsform – ein Versehen?
Jedenfalls versteht dieser es ausserordentlich gut Leder sachgerecht zu verarbeiten und sobald ich etwas Spanisch kann, werde ich bei ihm in die Lehre gehen und hoffentlich Meister der Lederverarbeitung werden. Der Hodensack des Hammels ist perfekt geformt fuer eine nahtfreie Geldboerse, die mein erstes Projekt sein wird. Gerade trocknet er auf der Waescheleine.
Jetzt fahren wir wieder in die Stadt und mal sehen was der Tag noch so bringt.

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