Gerade rieche ich nach Schaf, da noch
etwas Schafsblut an meinem Unterhemd klebt. Vielleicht ist es auch
Dickdarmfluessigkeit, es ist jedenfalls ein Fleck von undefinierbaresm gelb.
Das Anwesen von Otto (Es traegt den namen Villa Oma und ist schwarz-rot-gold
gestrichen) liegt 23 Kilometer westlich von hier, ein 23 Hektar grossen Stueck
Land auf dem der Bauer Jose seine Familie versorgt und sich nebenbei um Ottos
11 (jetzt nurnoch 10) Schafe und 17 Kuehe kuemmert. Nach einem Glas frischer
Kuhmilch folgte erstmal eine kleinen Treibjagd auf die durchaus scheuen Schafe
und wir konnten drei einjaehrige Hammel fangen, von denen zwei noch nicht
kastrierbar waren, der dritte aber apfelgrosse „huebos“ hatte. Jenen
beschloss Otto aber zu schlachten. Vor Beginn dieses Prozesses fuehlte ich
mich etwas unwohl, da ich noch nie wirklich den Tod eines groesseren
Saeugetieres miterlebt habe. Im Nachhinein war es faszinierend und ein sehr
natuerlicher Prozess, den ich miterleben durfte. Die Zuckungen der Muskeln
haben auch noch eine gute halbe Stunde angehalten. Die Befuerchtung, Vegetarier
zu werden hat sich nun endgueltig aus meinen Gedanken verfluechtigt. Nach dem
Haeuten und Ausnehmen ist mir dann auch
klar geworden, dass auch meine Gedaerme irgenwie nur in mir rumliegen und
ziemlich klar voneinander getrennt sind. Vielleicht ist das Medizinstudium
garnicht so unattraktiv wie ich immer dachte. Tino haette es sicherlich
gefallen. Das ganze fand draussen auf provisorisch errichtetem Holzgeruest
statt und die endlos vielen Fliegen und das fehlende Wasser liessen den Ablauf
nicht sonderlich hygenisch werden. Dennoch verlief der Wandel des bloekenden und ueber einen Meter
hoch springenden, zudem durchaus
aesthetischen hammels in dieses nun nicht ganz so aesthetische stueck Fleisch
innerhalb nur so kurzer zeit, dass es hart ist, sich klarzumachen, wie schnell
das Leben vorbei sein kann.
Als naechstes fuhren wir zum Nachbarn,
wobei mein Onkel seinen kleinen Trecker fuhr und ich nebenher lief und die die
Grundstuecke in Compartements einzaeunenden Tore oeffnete um dort angekommen
300 Orangengrosse Zitronen zu ernten. Otto presst sie gerade, pro Zitrone sind
das 80ml Saft, die dann Zusammen mit 32 Liter 96% Alkohol zu Zitronenlikoer
verarbeitet werden (den gleichen Alkohol haben wir bei Lucie Silvester
getrunken) . Otto hat ihn bescheiden Caipirotto gennant. Der Bauer, dem die
Zitronen gehoeren, bekommt fuer seine
Zitronen 2 Flaschen des Schnappses. Ein guter Deal also.
Auf dem Rueckweg haben wir dann eine
Haelfte des Schafes an einen Freund fuer 130 Bolivianos ( umgerechnet 14 Euro)
verkauft und sind zu einem Bolivianer gefahren, der in seinem Haus Krokodil und
Schlangenleder verarbeitet. Don Simon sollte ich ihn nennen, da man Maenner
meist mit Don anspricht. Don Leon in meinem Fall also, aber bis jetzt wurde ich
eher als Leoncito bezeichnet, die Verniedlichungs- und Verkleinerungsform – ein
Versehen?
Jedenfalls versteht dieser es
ausserordentlich gut Leder sachgerecht zu verarbeiten und sobald ich etwas
Spanisch kann, werde ich bei ihm in die Lehre gehen und hoffentlich Meister der
Lederverarbeitung werden. Der Hodensack des Hammels ist perfekt geformt fuer
eine nahtfreie Geldboerse, die mein erstes Projekt sein wird. Gerade trocknet
er auf der Waescheleine.
Jetzt fahren wir wieder in die Stadt und
mal sehen was der Tag noch so bringt.
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